150 Antifaschist*innen stellen sich 11 Neonazis entgegen – Demobericht

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Ende April rief die NPD Landkreis Osterholz zu einer Kundgebung in Osterholz unter dem Motto „Asylflut stoppen“ auf. Am Samstag den 7. Mai  fand die Demo dann an der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck statt. Deswegen haben wir auch unter dem Titel „Nazi-Kundgebung in Osterholz-Scharmbeck’ is nicht!“ zu Störaktionen gegen die Kundgebung der NPD mobilisiert. [1]
Die Linksjugend [‘solid] war aus Delmenhorst, Bremerhaven, Cuxhaven und Bremen gemeinsam mit vielen weiteren Antifaschist*innen vor Ort, um die Kundgebung lautstark zu stören und Widerstand zu leisten. 
Als wir kurz nach 14 Uhr mit dem Zug in Osterholz ankamen, wurden wir von der Polizei in Empfang genommen, die bereits einen Ort für unsere Gegendemo festgelegt hatte. Sie führten uns zum Kundgebungsort und bereits auf dem Weg dort hin machten wir laut deutlich, warum wir nach Osterholz gekommen sind. Wir wurden mit einem Polizeiabsperrband 50 Meter von den Neonazis getrennt. Eigentlich war von der NPD geplant, ihre völkischen und rassistischen Parolen auf dem Marktplatz abzuhalten. Allerdings wurde dies taktisch behördlich auf den Parkplatz an der Stadthalle umdisponiert. So konnten sie  nur sich selbst erreichen. 
Das kam dem bunten Netzwerk Osterholz auch sehr entgegen, welches zur selben Zeit eine sogenannte Solidaritätsveranstaltung unter dem Motto „Bund statt Braun. Menschen Willkommen“ an der Marktweide veranstaltete und lieber zum Grillen gegen Rechts aufrief, statt sich Nazis aktiv entgegenzustellen und uns vor Ort zu unterstützen. An der Stadthalle warteten wir einige Zeit, bis die NPD mit ihrem Bus ankamen und ihren Pavillon mit Lautsprechern, Fahnen und ihrer Nazipropaganda aufbauten. Die Kundgebung der NPD begann um kurz nach 15 Uhr. Sie wurden von uns mit zahlreichen Slogans begrüßt, wie „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“, „Was macht den Faschisten Angst? – Klassenkampf, Klassenkampf.“ oder „Um Europa keine Mauer, Bleiberecht für Alle und auf Dauer.“
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Ihre Redebeiträge und die unerträgliche nationalistische Musik hörten wir dank unserer lautstarken Proteste, Trillerpfeifen und Musik kaum.
150 Antifaschist*innen standen einem Häufchen von ca. 11 Neonazis entgegen, darunter auch Alexander von Malek aus Bremerhaven, Spitzenkandidat der NPD zur Wahl der Bremischen Bürgerschaft im Jahr 2015, der auch zum „harten Kern“ von der rechtspopulistischen mit Nazi hooligans auftretende „Bremerhaven redet Klartext“-Gruppe gehört (mittlerweile inaktiv), gegen welche wir auch in den letzten Monaten protestiert haben. [2] Um 16:30 Uhr, eine halbe Stunde vor dem geplanten Ende, brachen sie die Demo ab und fuhren unter Applaus der Gegendemo endlich vom Platz.
Als wir direkt nach Ende der Kundgebung mit dem Zug wieder nach Bremen fuhren, wurde der Zug auf halber Strecke plötzlich angehalten. Wir saßen mit einem Redner der NPD Kundgebung im Zug, welcher die Polizei gerufen hatte. Aus unerklärlichen Gründen wurden alle Fahrgäste des Zuges verwiesen und gebeten den nächsten Zug auf dem anderen Gleis zu nehmen, natürlich sehr zur Belustigung des NPD-Redners. Es ist davon auszugehen, dass diese Aktion geplant war, um uns aus der Räson zu bringen. In Bremen angekommen stand die Polizei schon bereit, vermutlich zum Personenschutz dieses Herrn. Allerdings war von dem NPD-Redner, welcher eigentlich im Zug nach Bremen sitzen sollte, weit und breit nichts zu sehen.  
Zu kritisieren bleibt die Outdoor Party des bunten Netzwerkes Osterholz, die wir zwar durchaus positiv werten, es aber gerade an diesem Tag besser gewesen wäre, sich uns anzuschließen, statt fern zu bleiben und sie öffentlich brüllen zu lassen. Außerdem kritisieren wir die Äußerung im Weserreport von Christopher Schulze (Sprecher DIE LINKE Osterholz): „Wir wollen und werden der NPD einfach keine Beachtung schenken. Das ist nämlich das, wovor ihre Mitglieder am meisten Angst haben: überhaupt nicht wahrgenommen zu werden“. [3]
In unseren Augen ist das eine Relativierung von rassistischen und völkischen Ideologien und trägt rein gar nichts zum antifaschistischen Aufbau bei. Solange es sogar in der Partei DIE LINKE solche Äußerungen gibt, braucht sich nicht gewundert werden, warum Rassismus in unserer Gesellschaft zur Normalität wird bzw. geworden ist. Diese Äußerung wundert uns im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit CDU und Grünen, um dieses Fest zu organisieren dann auch nicht mehr. Ist es nicht gerade die CDU, die von Obergrenzen für Geflüchtete spricht und die Asylverschärfung zusammen mit der SPD auf den Weg gebracht hat?! Wir müssen uns täglich mit rassistischen Strukturen auseinandersetzen und sie wo immer es geht bekämpfen. 
Es war im Großen und Ganzen ein gelungener Protest gegen die NPD und hat wieder mal gezeigt, dass sie mit ihren rassistischen und völkischen Reden alleine stehen.
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