01. Mai 2017 in Delmenhorst

Die diesjährige Demo mit anschließender Kundgebung am 01. Mai in Delmenhorst wurde hauptsächlich gestaltet durch das Jugendbündnis. Die Linksjugend war natürlich auch wieder dabei und Magdalene Majeed und Henning Waldeck hielten auf der Demo jeweils eine Rede. Rund 500 Menschen nahmen insgesamt teil. Das Jugendbündnis war auf der Hotelwiese zahlreich mit Infoständen vertreten. An unserem Stand informierten wir über unsere Forderungen zum Mindestlohn, der 30h-Woche und Equal Pay. Frischen Wind brachten dieses Jahr ein Diskussions- und ein Chillzelt mit Musik. Im Folgenden zeigen wir euch ein paar Impressionen und die Reden von Magda und Henning:

Heraus zum 1. Mai
– Magdalene Majeed
Am 1. Mai 1886 streikten bis zu 350.000 Arbeiter*innen in den USA für den Acht-Stunden-Tag. Seitdem ist der 1. Mai der internationale Tag der Arbeiter*innenklasse, an dem wir auch heute noch auf die Straße gehen, um den bestehenden Verhältnisse den Kampf anzusagen.

Heute stehen hier und in anderen Städten Hunderte und Tausende auf der Straße und demonstrieren für soziale Gerechtigkeit, gute Bildung und dass es für unsere Arbeit auch eine entsprechende Vergütung gibt.
Doch beginnen wir ganz vorne:

Es gibt unzureichend Kitaplätze. Über 200.000 Betreuungsplätze für Kleinkinder fehlen allein 2017 – das erschwert den Entwicklungsstart der Kinder und schränkt Eltern ein. – Schafft mehr Kitaplätze!
Das deutsche Bildungssystem ist ungerecht. Dort treffen Unterschiede aufeinander: Menschen haben unterschiedliche Ausgangsbedingungen, werden von zuhause aus unterschiedlich unterstützt. Verschiedene soziale Hintergründe treffen in Bildungseinrichtungen aufeinander. Lehrbuchwissen gegenüber emotionaler und sozialer Intelligenz bevorzugt. Das deutsche Bildungssystem schafft es nicht ausreichend, mit Vielfalt konstruktiv umzugehen. – Reformiert das Bildungssystem grundlegend!

Fehlende Ausbildungsplätze, Jugendarmut und schlechte Arbeitsverhältnisse. Damit sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt verbessert, kämpfen wir für ein einklagbares Grundrecht auf Ausbildung und Übernahme. Es darf nicht sein, dass jungen Menschen der Zugang zu Ausbildung verwehrt bleibt und sie somit keinerlei Zukunftsperspektive haben. Ebenso dürfen sie nicht für einen Hungerlohn ausgebeutet werden! – Schafft mehr gut bezahlte Ausbildungsplätze!

Kein BAföG, oder unzureichend finanzielle Unterstützung vom Staat. Und damit werden gleich die nächsten ausgegrenzt bzw. Studierende werden dazu genötigt, neben dem Studium zu arbeiten. Das wiederum führt zu schlechteren Ausgangsbedingungen für ihre Ausbildung. Des Weiteren wird an Hochschulen Geld eingespart, wo es nur geht. Die Lehre und Forschung leidet, Dozierende arbeiten in prekären Arbeitsverhältnissen – zu viel Arbeit, zu wenig Geld, befristete Verträge – Wir brauchen die Ausfinanzierung der Hochschulen, Für Bachelor in sieben Semestern Regelstudienzeit und Master für alle! Für elternunabhängiges und höheres BAföG!

Prekäre Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt. Überstunden, Ausbeutung, wenig Lohn, für viel Arbeit, befristete Verträge, Forderungen nach Flexibilität, Leistungsdruck, eingeschränkte Freizeit, eingeschränkte Familienplanung, geschlechterspezifische Ungleichbehandlung, Ost-West-Unterschiede usw. die Liste könnten wir noch endlos verlängern.

Auf der anderen Seite, wird immer mehr Geld für Kriege und Waffen ausgegeben, statt in Bildung und Lehre zu investieren. – Ihr fragt euch, woran das liegt? Der Kapitalismus zwingt uns alle in die Knie, von klein auf!
Es wird klar, dass wir nicht nur gegen den zunehmenden Militarismus, sondern ebenso gegen Gentrifizierung, den Rechtsruck, das sich stetig verschlechternde Bildungssystem und die Missstände auf dem Arbeitsmarkt, auf die Straßen gehen müssen! Wir kämpfen für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und eine Gesellschaft, in der auch wir in Zukunft gerne leben wollen!

Für Bildung! BAföG für alle, Ausbildungsgarantie für alle, gegen Sparzwänge in der Bildung!

Für gute Arbeit! Arbeitsverkürzung jetzt, existenzsichernde Ausbildungsvergütung, unbefristete Übernahme!

Für Umfairteilen! Ausbeutung unmöglich machen, geschlechterspezifische Rollen überwinden, gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit!

Wir streiten klar und kämpferisch für einen emanzipatorischen Antikapitalismus, die befreite Gesellschaft und den Sozialismus!

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Linksjugend Delmenhorst

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Linksjugend Delmenhorst und Der Funke Bremen

Rede an den Stolpersteinen – Henning Waldeck:

Wir sind hier an einem der 37 Stolpersteine in Delmenhorst angekommen.
Sie sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder zum Suizid gebracht wurden.
Die Stolpersteine wurden vor die jeweils letzten frei gewählten Wohnhäuser der NS-Opfer in den Gehweg eingelassen.
Das hier ist der Stolperstein der Familie Goldschmidt.
Moritz, Wilhelmine, Herbert und Karl Goldschmidt wurden mit der Welle der Deportationen nach der Wannsee-Konferenz in den Tod ins Minsker Ghetto geschickt. Herbert und Karl Goldschmidt schafften es, nach England zu fliehen und den Mörderbanden so zu entkommen.
Diese Ereignisse sind fast 80 Jahre her. Vor 10 Jahren haben die Nazis der ortsansässigen NPD versucht, aus dem damals leerstehenden Hotelgebäude an der Graft einen Tagungsort für ihre faschistischen Machenschaften einzurichten. Das konnten die BürgerInnen der Stadt verhindern.
Nach dieser Demo findet unsere Maikundgebung auf der Hotelwiese statt, der Ort, an dem sich das Hotel damals befand. Heute gibt es die NPD zwar nicht mehr in Delmenhorst, dafür haben wir das Problem der AfD. Eine völkisch-nationalistische, antiemanzipatorische und ArbeiterInnenfeindliche Partei, die mit über 15 % bei den letzten Kommunalwahlen mit 7 Rechtsradikalen in unseren Stadtrat einzog. Dieses Ergebnis liegt niedersachsenweit auf Platz 1. Der Rechtsruck in Europa und weltweit wird zurecht oft thematisiert. Auch die AfD erlebt ihn seit Parteibestehen intern. Bei Gründung war das Markenzeichen der Partei die Eurokritik, damals noch unter der Führung von Bernd Lucke. Nach der Übernahme durch Frauke Petry schärfte die Partei  ihre Anti-Asyl-Haltung und Verbindungen zur Naziszene. Nun steht die AfD vor einem weiteren Rechtsruck, mit neuer, noch rechterer Führung unter Alexander Gauland und Alice Weidel. Nicht nur die jüngsten Reden von Bernd Höcke machten das nazistische Weltbild, den Rassismus und Antisemitismus und die Frauen- und Minderheitenfeindlichkeit vieler AfD-PolitikerInnen und die Akzeptanz dessen innerhalb der Partei deutlich. Genau das wird auch bei den Delmenhorster AfD-PolitikerInnen deutlich, wenn man einen Blick in die sozialen Netzwerke wirft.
Seit einigen Jahren organisieren die „Neue Rechte“ und Nazis vermehrt Aufmärsche und Demonstrationen am 1.Mai.
Doch der 1. Mai ist unser Kampf- und Feiertag. Er ist der Tag für den Kampf der lohnabhängigen Bevölkerung gegen die bestehenden Verhältnisse. In diesem Kampf der ArbeiterInnen und an diesem revolutionären 1. Mai ist kein Platz für reaktionäre Politik gegen die arbeitende Bevölkerung, wie die AfD sie will.
Deshalb: ArbeiterInnen: Vereint euch! Organisiert euch! Kämpft für unsere Zukunft, für die befreite Gesellschaft, für den Sozialismus!

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Vor dem Demostart traf sich der Demozug beim DGB Delmenhorst

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Das Jugendbündnis

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Hennings Rede am Lauti über die Stolpersteine vor Ort mit Bezug zur Hotelwiese und die hiesige AfD

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Magdas Rede „Heraus zum 1. Mai“

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Franz (Der Funke Bremen), Yeliz (DiDF Delmenhorst) und Lisa (Linksjugend Delmenhorst) heizten das Jugendbündnis mit Demosprüchen ein

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Infostand zusammen mit dem Funken auf der Hotelwiese

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Zusammen mit Heike Boldt (Hauptrednerin und Gewerkschaftssekretärin ver.di) und Arne Brix (Bundesvorstand DIE LINKE)

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nach der Kundgebung saßen alle noch zusammen und haben gemeinsam gegrillt und den Tag entspannt ausklingen lassen

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nach der Kundgebung saßen alle noch zusammen und haben gemeinsam gegrillt und den Tag entspannt ausklingen lassen (Arne Brix – Mitglied des Bundesvorstandes DIE LINKE war auch da)

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